Die Regioklinik: Brücke zwischen ambulant und stationär
Die Regioklinik ist ein zukunftsweisendes, rheinland-pfälzisches Modell für eine sektorenübergreifende, wohnortnahe Versorgung. Solche Modelle sind vom Bund im KHVVG als „Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen (SüV)“ vorgesehen. Sie verbinden ambulante, stationäre und pflegerische Angebote unter einem Dach und schaffen Brücken zwischen den Versorgungssektoren. Die genaue Ausgestaltung der Regiokliniken wird wesentlich durch den süV-Leistungskatalog die Vereinbarung zwischen Krankenkassen und Deutscher Krankenhausgesellschaft bestimmt.
Zum Beispiel könnten in einer Regioklinik Tagesklinik, Reha- und Pflegeeinrichtungen, ein MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum), Eingliederungshilfe oder auch ein Notarztstandort unter einem Dach zusammengeführt werden.
Konkret könnten dort je nach Ausgestaltung Alltagsnotfälle versorgt, ambulante Operationen durchgeführt, geriatrische Patientinnen und Patienten umfassend betreut und behandelt sowie telemedizinische Angebote eingebunden werden. Durch strukturierte Triage werden komplexe Fälle gezielt in spezialisierte Zentren weitergeleitet – ohne Bruch in der Versorgungskette.
Die Regioklinik ergänzt große Krankenhäuser, verbessert die Erreichbarkeit medizinischer Leistungen und baut Brücken zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.
Mögliche Kernmerkmale:
• Behandlung von Alltagsnotfällen
• Ambulante Operationen
• Geriatrische Versorgung
• Übergangspflege (§ 39e SGB V)
• Telemedizinische Einbindung
• Campusstruktur mit MVZ, Reha, Pflege
Die Regioklinik adressiert mehrere strukturelle Probleme gleichzeitig:
- niederschwellige Versorgung in der Fläche, die auch große Kliniken ergänzt
- in vielen Fällen Alternative zur Inanspruchnahme einer Notaufnahme
- Vermeidung von Schnittstellenbrüchen
- Stabilisierung ländlicher Standorte
Ein konkretes Beispiel ist der Marienhaus-Campus in Hermeskeil, der als Blaupause gilt. Dort bleibt das Krankenhaus St. Josef im Krankenhausplan, wird jedoch sektorenübergreifend weiterentwickelt.
Bevölkerungsnahe Notfallversorgung
Ein Teil der heute in Krankenhäusern behandelten Notfälle sind medizinisch gesehen Alltagsnotfälle, die keine hochspezialisierte Notaufnahme benötigen und künftig sehr gut in der Regioklinik versorgt werden können. Gleichzeitig muss bei echten lebensbedrohlichen Notfällen wie einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt die Rettungskette lückenlos funktionieren, damit Betroffene rechtzeitig die bestmögliche Versorgung bekommen.
In Rheinland-Pfalz ist an über 50 Standorten mindestens eine Basisnotfallversorgung verfügbar, Nahezu alle Bürgerinnen und Bürger können einen solchen Standort in weniger als 30 Minuten Fahrzeit erreichen. Rund 20 Standorte bieten eine erweiterte oder umfassende Notfallversorgung an. Zukünftig sollen die geplanten Regiokliniken für Alltagsnotfälle und Fälle, die einer niederschwelligen Behandlung bedürfen zur Verfügung stehen – bevölkerungsnah und am Versorgungsbedarf orientiert. So können die Notaufnahmen der Krankenhäuser entlastet sowie Patientinnen und Patienten passgenauer versorgt werden. Eine bundesweite Notfallreform ist zurzeit in Planung und soll den Zugang der Bevölkerung zu einer passgenauen Notfallversorgung weiter verbessern.
Spezialisierte Versorgung in Zentren
Im Zuge der Krankenhausreform soll spezialisierte Versorgung an ausgewählten Standorten gebündelt werden, um die bestmögliche Versorgung der Patientinnen und Patienten zu gewährleisten. Die Bundesländer können durch die Zuteilung der Leistungsgruppen zukünftig viel gezielter und an den Versorgungsbedarfen orientiert planen. Auch dem wachsenden Fachkräftemangel und dem steigenden finanziellen Druck wird auf diese Weise Rechnung getragen. Gleichzeitig wird durch die Etablierung der Regiokliniken die Erreichbarkeit qualitativ hochwertiger Versorgungsstrukturen für die Bürgerinnen und Bürger sichergestellt.
Prognose und Handlungsdruck
Die im Gutachten enthaltenen Prognosen zeigen eine Veränderung der Fallzahlen bis 2035, verbunden mit Ambulantisierungspotenzial in mehreren Leistungsgruppen. Gleichzeitig bleiben bestimmte hochkomplexe Leistungen zwingend stationär.
Die Schlussfolgerung ist eindeutig: Ohne strukturelle Anpassung drohen wirtschaftliche Insolvenzen, Qualitätsrisiken und ineffiziente Ressourcennutzung.